Handarbeit

Handarbeit bildet gemeinsam mit dem Handwerk und den musischen Fächern eine Säule des Unterrichts. So werden zahlreiche handwerkliche Techniken erlernt. Die Auseinandersetzung mit dem Material, mit dem Werk- oder Musikstück trägt stark zur Ausbildung seelischer Qualitäten und der Willensstärke bei. Darüber hinaus fördern sie die Vernetzung der beiden Hirnhälften und ermöglichen so eine komplexe Erkenntnis der Welt. So ist die Schulung der Feinmotorik für die Intelligenzentwicklung des Menschen von entscheidender Bedeutung.
Dieser von der modernen Hirnforschung nachgewiesene Zusammenhang zwischen motorischer, besonders feinmotorischer, Bewegung und Intelligenzentwicklung bei Kindern wird von den Waldorfschulen methodisch-didaktisch schon seit 90 Jahren berücksichtigt.

Der Handarbeitsunterricht in den Klassen 1 bis 8 wird zunächst vorwiegend vom Künstlerischen beherrscht, dann tritt der praktische Aspekt hinzu, der sich in der Oberstufe mit dem intellektualistischen Aspekt verbindet. Nach dem Erwerb der Grundfähigkeiten im Nähen, Stricken, Sticken und Häkeln ist der Lehrplan so aufgebaut, dass sich die Schüler einmal von Kopf bis Fuß bekleiden. In der 6. Klasse wird eine Puppe hergestellt. In der 9. und 10. Klasse beschäftigen sich die Schüler in Epochen mit traditionellen Handwerken. Sie lernen, Körbe aus ungeschälter Weide zu flechten und aus ungewaschener Wolle einen endlos langen Faden zu spinnen. In der 11. Klasse gehen die Schüler mit Pappe, Papier und Leim um und lernen deren Eigenschaften und Verarbeitungsweise kennen. Nach eigenen Entwürfen werden Mappen, Kisten oder Fotoalben angefertigt. In der 12. Klasse schließlich werden Bücher gebunden.

Die praktische Arbeit ist eng mit dem Gedankenleben verbunden: Die handwerkliche Fertigkeit muss durch ästhetische Planung und Präzision ergänzt werden, damit ein vollendetes Produkt entstehen kann. Fähigkeiten wie Ausdauer, Genauigkeit, Willenskraft, Urteils-und Entscheidungsfreude werden dabei geschult.