Geschichte der Freien Waldorfschule Berlin-Mitte

Es war der 4. November 1989. Neben all den Plakaten auf der großen Demonstration auf dem Alexanderplatz, die die Veränderung der politischen Situation im Lande einforderten, gab es auch zahlreiche, die eine Veränderung der Schullandschaft und die Gründung von Waldorfschulen forderten.

Schon am selben Abend trafen sich viele interessierte Studenten und aktive Lehrer in der Christengemeinschaft in der Schwedter Straße zu ersten Besprechungen. Der Wunsch nach Veränderung, der an diesem Tage so vielfach zum Ausdruck kam, lief nun mit dem Impuls von Margarete Heinrich, einer ehemaligen Waldorflehrerin, zusammen. Sie erkannte die politische Situation für eine Schulgründung als reif genug und brachte die notwendige Erfahrung für eine Waldorfschulgründung mit. Aus der großen Zahl der Interessenten befähigte sie ein Gründungskollegium von elf Menschen, die so schnell wie möglich mit der Schule beginnen sollten, denn es war nicht absehbar, wie lange die Türen für solche Unternehmungen offen blieben.

Als am 3. September 1990 in der Dresdener Straße 113 eine der ersten Waldorfschulen in der ehemaligen Hauptstadt der noch existierenden DDR ihre Tore öffnete, lag hinter den Lehrern und Eltern eine große Anstrengung. Neben der inhaltlichen Vorbereitung mussten sie aus einem ehemaligen Staatssicherheitsobjekt, von dem noch lange die alten Telefonhörer in den Baumwipfeln vor der Schule kündeten, in nur dreieinhalb Monaten eine Waldorfschule entstehen lassen.

Noch umgaben die Schule, die direkt am ehemaligen Todesstreifen an der Grenze zu Kreuzberg gelegen war, zwei Grenzmauern, die mit der Eröffnungspolonaise der Kinder am ersten Schultag symbolisch und wahrhaftig durchbrochen wurden. Mehr als 140 Schüler der Klassen 1 bis 5 begannen mit neun Lehrern ihren ersten Hauptunterricht. Das bis dahin einheitliche Schulsystem der DDR war mit diesem Akt aufgebrochen.